Jemen
Von „Bunn“ bis „Qishr“: die jemenitischen Ursprünge des Kaffees

Der Arabica-Kaffee aus dem Jemen gehört zu den besten der Welt. Bei der jemenitischen Bevölkerung, die den Kaffee um 1500 entdeckt hat, erfreut sich der Qishr großer Beliebtheit. Dieser Aufguss aus Kaffeefruchthülsen wird beim Kauen der Blätter des Khatstrauchs (qàt) getrunken, da es heißt, dass dies deren anregende Wirkung verstärkt. Der Qishr ist die am weitesten verbreitete Zubereitungsmethode im Jemen. Die Wüstenbewohner (Beduinen) bereiten ihren Kaffee jedoch bevorzugt aus der meist ungerösteten Bohne (qahwa arbi) zu. Der Kaffee kam vor etwa 500 Jahren aus Äthiopien in den Jemen. Zu dieser Zeit war er bereits das „offizielle“ Getränk der muslimischen Welt und als solches unter dem Namen qahwa, der „Wein des Propheten“, bekannt. Aufgrund seiner großen Beliebtheit begannen die Jemeniten, ihn selbst anzubauen. Die strategische Lage des Jemens, der Knotenpunkt verschiedener Karawanenrouten war und einen gut positionierten Hafen (Mokka) hatte, führte zu einem schwungvollen Kaffeehandel. Noch heute ist nahezu die gesamte Kaffeeproduktion des Landes für den Export bestimmt.

Die Rezepte
Qahwa Sana’ani
Kaffee nach Sana’a-Art
ZUTATEN
1 kg Arabica
150 g getrocknete Ingwerwurzel
100 g Zimtstangen
Zubereitung

Die Arabica-Bohnen in einer großen Pfanne leicht bräunen (nicht ganz rösten). Kurz abkühlen lassen und dann in einem Mörser zusammen mit den Gewürzen zerstampfen. Anschließend 4 Tassen Wasser in der klassischen jemenitischen Kaffeekanne (jamana) zum Kochen bringen und 4 gehäufte Teelöffel der Mischung zugeben, die wie beschrieben zubereitet wurde. Gut umrühren und 15 Minuten auf kleiner Flamme weiter köcheln lassen. Im Glas servieren.

Varianten

Türkische Variante (qahwa turky): Die Kaffeebohnen länger rösten, den Gewürzen zusätzlich auch Kardamom beifügen und in der traditionellen türkischen Kaffeekanne zubereiten. Version der Beduinen (qahwa arbi): Nur ganz leicht gebräunte Arabica-Bohnen und grünen Kardamom in einem Mischverhältnis von 2:1 verwenden. Die Jamana mit ihrer unverwechselbaren Form gilt als Weiterentwicklung der traditionellen äthiopischen Kaffeekanne (jebena).


Qishr
Abkochung des Kaffeesatzes
ZUTATEN
1 kg getrockneter Kaffeesatz
100 g Zimt
100 g Ingwer
Zubereitung

4 Tassen Wasser in einem metallenen Teekessel zum Kochen bringen. 4 gehäufte Teelöffel der Mischung aus getrocknetem Kaffeesatz (Qishr) und den grob gemahlenen Gewürzen zugeben. Gut umrühren und weitere 15 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Im Glas servieren. Qishr wird in der Regel nach den Mahlzeiten gereicht, da er verdauungsfördernde, anregende und adstringierende Eigenschaften besitzt. Darüber hinaus wird er nachmittags beim Kauen der Blätter des Khatstrauchs getrunken. Eine besondere Variante des Getränks wird aus getrocknetem Kaffeesatz, Ingwer, Khat-Blättern und roten Datteln zubereitet und aufgrund ihrer kräftigenden und anregenden Wirkung Frauen kurz nach der Entbindung angeboten.